e Ära der Kolonialisierung setzte den Grundstein für die Rassentheorie, die unter
dem NS-Regime als Rechtfertigung für Millionenfachen Mord diente. Heute
begründet die erstarkende Rechte ihre menschenfeindliche Ideologie mit ähnlichen,
daraus entwickelten Argumentationsstrategien.

Die Auseinandersetzung mit dem Ursprung dieser Ideologie, der Kolonialzeit,
zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie nicht existiert. In Bremen, wie auch
nahezu allen anderen deutschen Städten, sind Straßen nach
Kolonialverbrecher*innen benannt. Die H.-H.-Meier-Allee oder die Lüderitzstraße
sind nur zwei Beispiele für Straßen, die nach Täter*innen benannt sind, ohne auch
nur auf den kolonialen Hintergrund der beiden Namensgeber zu verweisen. Daher
fordern wir eine Umbenennung aller Straßen, die nach Kolonialverbrecher*innen
benannt sind. Es findet ein so starker Gewöhnungseffekt statt, dass Produkte mit
dem Zusatz „kolonial“ sogar beworben werden, um eine vermeintliche „Exotik“ zu
transportieren. „Kolonial“ wird als Synonym für „exotisch“ verwendet, der strukturelle
Rassismus, die Unterdrückung der lokalen Bevölkerung und das Gewaltregime der
Kolonialzeit wird mit dem Begriff überhaupt nicht in Verbindung gebracht. Derartige
sprachliche Manifestation des europäischen Überlegenheitsglauben tragen dazu bei,
dass die Verbrechen des Kolonialismus‘ vergessen bleiben.

In Bremen erinnert der große Elefant im Nelson-Mandela-Park an die Bremer
Kolonialvergangenheit. Das nebenstehende Mahnmal zur Erinnerung an den
Völkermord an den Herero ist als solches kaum auszumachen und zeugt von einem
wenig ernsthaften Erinnerungswillen. Die Kolonialisierung zeigt bis heute Wirkung
auf die Situation und Wahrnehmung der ehemals kolonialisierten Länder. Die
GRÜNE JUGEND Bremen setzt sich für ein kollektives Bewusstsein für die
Verbrechen unter der deutschen Kolonialherrschaft ein. Zentraler Bestandteil davon
muss eine konsequente Bildungsarbeit in Schulen sein. Die Aufarbeitung der
Kolonialverbrechen im Rahmen des Geschichtsunterrichts bilden das Fundament,
um langfristig ein breites Bewusstsein zu schaffen. Deshalb fordern wir eine
entsprechende Anpassung der Bremischen Bildungspläne.
Bewusstsein und Erinnerung sind die Grundlage einer Anerkennung des unsagbaren
Leids mit dem Ziel gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme. Teil einer
gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzung müssen immer auch Vertreter*innen
der kolonialisierten Länder sein.