Der Gedenkort „U-Boot-Bunker Valentin“ in Bremen-Farge

von Clara Kiesbye & Christian Hinrichs

 

Am 09./10. April 2016 beschäftigten Mitglieder der Grünen Jugend Bremen und Niedersachsen sich mit einem weitgehend unbekannten Erinnerungsort an das NS-Unrecht im Norden. An dem Gedenkort „Bunker Valentin“ wurde von 1943 bis 1945 ein groß angelegter U-Boot-Bunker direkt an der Weser im Bremer Norden durch den Einsatz von Zwangsarbeiter*innen aus ganz Europa erbaut. Die U-Boot-Werft war für das NS-Regime ein wichtiges Rüstungsprojekt und wurde massiv ohne Rücksicht auf Menschenleben voran getrieben ohne jedoch jemals in Betrieb genommen worden zu sein.

 

Was ist Erinnerung?

Zunächst beschäftigten wir uns im Rahmen eines Workshop unserer Referent*innen Max Kausch und Till Schmidt, was Erinnerung allgemein heißt, ob man dabei verschiedene Formen des Erinnerns unterscheiden muss und ab wann dieses Thema eine politische Dimension bekommt. Nachdem diese Grundlage gelegt wurde, wurde die Bedeutung des konkreten Ortes der Erinnerung in den Fokus genommen. Was sind Gedenkstätten, welche Momente kommen bei ihnen zusammen und welche Funktion haben sie? Abends wurde dann schließlich der Film „Am Ende kommen Touristen“. In dem Film wird die Auseinandersetzung der Generation der Nachgeborenen mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und ein Leben im Schatten eines Menschheitsverbrechens thematisiert. Die Eindrücke aus dem Film wurden im Anschluss noch lange von den Teilnehmer*innen diskutiert.

Die grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Erinnern und Gedenken und deren Materialisierung in Form von Gedenkstätten war eine wichtige Vorbereitung für den eigentlichen Gedenkstättenbesuch am Sonntag.

 

Bunker Valentin: Absolute Ausbeutung von Arbeitskraft

Direkt an der Weser gelegen türmt sich im dörflichen Bremer Norden ein ungewöhnlicher Anblick auf: Auf der Grundfläche von 35.375 m² ragt sich der Bunker Valentin als zweitgrößte freistehende Bunkeranlage in Europa auf. Die Ausmaße sind riesig: Verbaut wurden eine Million Tonnen Kies und Sand, 132.000 Tonnen Zement und 20.000 Tonnen Stahl.

Tausende von Zwangsarbeiter*innen mussten unter schweren Bedingungen die harte Arbeit auf der Baustelle leisten. Die Zwangsarbeit muss immer vor dem Hintergrund deren ideologischen Voraussetzung im nationalsozialistischen Deutschland betrachtet werden: Die absolute und menschenverachtende Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft ist nicht ohne die völkisch-rassistische Vernichtungslogik zu denken. Auf der Baustelle wurden zwar keine systematischen Tötungen vorgenommen, aufgrund der schwerwiegenden gesundheitlichen Folgeschäden allerdings sind tausende Menschen massiv geschädigt worden, die auch in unzähligen Fällen zum Tod führten.

 

www.denkort-bunker-valentin.de